An(ge)dacht                                                     
von Tobias Sommer


 

Einladende Gemeinde?!

Seinen wir, ehrlich. Um die Attraktivität von Kirche ist es nicht ums Beste bestellt. Massenaustritte. Probleme beim Nachwuchs und mit der Relevanz.
Sicher hat das unterschiedliche Gründe. Einer aber ist, dass Menschen heute verstärkt fragen können: Was habe ICH davon? Gemeindeaktivität geschieht in der Freizeit. Und offensichtlich finden sich viele getaufte Christen in ihren Gemeinden nicht wieder.
Was Gemeinden heute anbieten oder aufrechterhalten, das geht an vielen Menschen schlichtweg vorbei. Nicht nur thematisch oder von der Frömmigkeit her, sondern auch sozial.
Ein Beispiel: Etwa 90% der Gottesdienste sind „normale“. Was heißt das? Es sind Gottesdienste, die liturgisch so gefeiert, dass sich vor allem die wohl fühlen, die schon vor 30, 40 Jahren gekommen sind. Auch unsere „normalen“ Gottesdienste sind auf bestimmte Zielgruppen abgestimmt. Ab und zu gibt es mal einen Familiengottesdienst als Alibi dafür, dass auch für alle anderen Altersgruppen etwas dabei wäre. Aber auch ein guter Familiengottesdienst ist zielgruppenorientiert. Was ist mit den Singles, den Kinderlosen oder den einsamen Rentnern?
Ein zweites Beispiel für das Wegbleiben vieler Gemeindeglieder: Die komplizierte Sprache. Diese ist häufig immer schon auf die Insider ausgerichtet bzw. besteht im Duktus längst vergangener Epochen. Einfache Sprache ist für manche ein Türöffner.
Ähnliches ließe sich auch zur Kirchenmusik, über die Gestaltung der Räume, die Zugänglichkeit kirchlicher Gebäude und den Umgang mit Fremden und Menschen mit Handicap sagen.
Deshalb: Eine einladende Gemeinde ist nicht zuerst missionarisch, sondern achtet darauf, wo (un)absichtlich ausgegrenzt wird.
Im Vertrauen darauf, dass Gott unsere Gemeinde mitbaut, sollten auch wir uns immer wieder fragen lassen:

Wie einladend seid ihr eigentlich?