An(ge)dacht                                                           
von Tobias Sommer


Gottesdienst. Ein Gebet wird beendet: „... von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Und wie auf ein verabredetes Zeichen antwortet die Gemeinde: „Amen!“
Amen – so sei es? In der hintersten Reihe wendet sich ein Mädchen zu ihrer Oma: „Von Ewigkeit zu Ewigkeit - Was soll das denn bedeuten?“ Die Oma zuckt nur mit den Schultern. „Das war schon immer so.“ Das Mädchen überlegt bei sich. Von einer Ewigkeit zur nächsten. Ist das so gemeint? Und die Zeit dazwischen ist dann jetzt gerade? Die Zeit, die nach uns kommt, also nach dem Tod nennt man Ewigkeit. Das hatte sie mal irgendwo gehört. Aber dass es eine Ewigkeit auch vor uns geben soll, noch nicht. Und wenn man es genau nimmt (und das tut sie gern), dann kann es gar nicht zwei Ewigkeiten geben. Denn dann wäre die Ewigkeit ja zeitlich begrenzt, also eben gerade nicht unendlich.
In diesem Moment schaut das Mädchen in die Runde. Es ist plötzlich ganz still und alle Gottesdienstbesucher schauen sich nach ihr um. Und ihr wird schlagartig klar, dass sie die letzten Sätze laut gedacht hat.
„... auch hat Gott die Ewigkeit in ihr Herz gelegt“ (Pred 3,11).
Der Prediger Salomo sieht den Menschen als Wesen, das die Ewigkeit in seinem Innersten trägt, weil Gott sich darin schon verewigt hat. Deshalb fragen wir nach der Zeit und dem, was uns davon bleibt. In uns gibt es: die Sehnsucht nach dem Ewigen. Zeit ist nicht gleich Zeit. Wir nehmen sie äußerst unterschiedlich wahr.
Denken Sie mal an 5 Minuten beim Zahnarzt und 5 Minuten im Eiscafé bei Sonnenschein. Welche 5 Minuten kommen Ihnen wohl länger vor?
Niemand kann sich die Ewigkeit vorstellen. Aber den Wunsch danach spricht man trotzdem manchmal aus: Das könnte ewig so sein! Gott hat die Ewigkeit in unser Herz gelegt. Das heißt auch: Die Ewigkeit ist weder nur Zukunft, noch nur Vergangenheit. Die Ewigkeit ist auch genau jetzt, in diesem Moment. Die Ewigkeit ist Gottes-Zeit. Sie durchwebt uns, unsere Beziehungen und Vorhaben, unsere Wünsche und Ängste, unsere Liebe und unseren Glauben.
Neuere Gebete für den Gottesdienst enden so: „... in Zeit und Ewigkeit. - Amen.“ Gottes-Zeit ist nicht wie unsere Zeit: Sand, der unablässig rieselt, oder Zeiger, die permanent voranschreiten.
Gottes-Zeit ist ewig und jetzt. In uns. Mitten unter uns. Sie ist das, was bleibt.